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Stament zur Demo „Frauen gegen Krieg und Krise“ am 7. März 2026

Liebe Genoss*innen und Freund*innen,

der alljährliche feministische Kampftag steht kurz bevor! Wir freuen uns schon am 8. März mit euch gemeinsam und kraftvoll auf die Straße zu gehen! Braucht ihr noch weitere Infos zur Demonstration am Sonntag, 14 Uhr ab dem Domplatz oder zu den darum stattfindenden Veranstal-tungen, dann informiert euch gerne über die Seite des 8. März Bündnisses.

Am Vorabend wollen wir bereits kämpferisch als FLINTA*s bei einer Take Back The Night Demo unsere Wut und femi-nistische Anliegen auf die Straße tragen. Wir treffen uns dafür um 19:30 Uhr am Leipziger Platz. Mehr Infos findet ihr z.B. hier.

Während wir auf diese Veranstaltungen mit kämpferischer Vorfreude blicken, mussten wir feststellen, dass einige sog. „Rote Gruppen“ wieder einmal beschlossen haben unsoli-darisch auszuscheren. Die Gruppen Rotes Erfurt, ErfurtUnsilenced, Rotes Band Thüringen, YUNA-Demokratische Jugend Weimar, Kulturverein Mesopotamien e.V., DKP, MLPD und Rebell haben sich dazu entschlossen eine eigene Demonstration unter dem Motto: „Frauen gegen Krieg und Krise“ anzumelden. Solche unsolidarischen Moves kennen wir ja bereits wie beispielsweise vom 17.01. in Leipzig, wo sie der Meinung waren, den linken Stadtteil Connewitz von „Antideutschen“ säubern zu müssen. Was die Mission dahinter war gegen den einzigen Linken-Wahlbezirk in Sachsen zu mobilisieren, bleibt abseits des offensich-tlichen Antisemitismus und blinden Zerstörungswahns auch im Nachhinein ein Rätsel.

Aber kommen wir mal konkret zu ihrem Aufruf: Bereits die Rede von „Frauenkampftag“ zeigt, welch (wenn überhaupt) unzeitgemäßer Feminismus da dahintersteckt. 2026 ist innerhalb der Feministischen Bewegung glücklicherweise wohl der allgemeine Konsens erreicht, dass wir nicht nur für „Frauenbefreiung“ kämpfen, sondern für die Befreiung aller vom Patriarchat unterdrückten Menschen – also auch die unserer queeren Genoss*innnen: Nonbinarys, trans Personen, agender Personen und intergeschlechtliche Menschen. In ihrem Aufruf wird zwar auch auf die Unterdrückung von „LGBTI+“ verwiesen, aber warum diese hier offensichtlich nur in einer Sonderrolle genannt werden, kann man wohl nur mit ihrer Wahrnehmung von Trans- und Queerfeindlichkeit als nachrangig und nicht dezidierten Teil feministischer Kämpfe erklären. Insofern erscheint es heuchlerisch zwar auf Kämpfe von trans Personen und Nonbinarys zu verweisen und ihnen vermeintlich Solidarität auszusprechen, dann aber konsequent an der Rede von „Frauen“ und „Frauenbefreiung“ festzuhalten.

So verhält es sich im besagten Aufruf nicht nur mit Queer- und Transfeindlichkeit, sondern auch mit der sog. „Frauenbefreiung“. Sie schreiben: „Genauso verurteilen wir die bürgerliche Trennung der Arbeiter:innen- und Frauenbewegung. Wir Arbeiter:innen können uns nicht befreien, solange nicht auch unsere Schwestern frei sind. Genauso kann die Frauenbefreiung auch nicht außerhalb der Klassenfrage realisiert werden.“ Die angebliche „bürgerliche Trennung“, die hier angesprochen wird, verweist wohl eher auf den von der Arbeiterbewegung historisch selbstgewählten Ausschluss von Frauen und feministischen Themen, der eben mal einfach der bürgerlichen Ideologie statt ihrem zu rettenden revolutionären Subjekt des „Proletariers“ zugesprochen wird. Sie entlarven sich schlicht selbst damit, darauf zu verweisen, dass diese Kämpfe aufeinander angewiesen sind, statt zu reflektieren, dass die Herrschafts- verhältnisse(!) selbst miteinander verwoben sind. Offensichtlich sind FLINTA*s auch Arbeitende, alle sind vom Kapitalismus und Patriarchat betroffen – dafür muss man keine „proletarische Frau“ sein. Die unter- schiedlichen Herrschaftsverhältnisse stellen in der modernen Gesellschaft eine Totalität dar, in der alles mit einander verbunden ist, einander durchzieht und aufeinander angewiesen ist. Kapitalismus und Patriarchat lassen sich nicht trennscharf als Herrschafts- verhältnisse voneinander differenzieren, sondern greifen konstitutiv ineinander. Vor diesem Hintergrund brauchen wir eine tiefgreifende Transformation – man möge es auch Revolution nennen – aller gesellschaftlicher Verhältnisse, um endlich das gute Leben für alle – eine Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können – zu verwirklichen. Die Rede davon, dass es eine „proletarische“ Revolution sein müsste, zeigt letztlich nur, dass diese Gruppen dem Kapitalismus gegenüber anderen Herrschaftsverhältnissen den Vorrang gewähren. Das nannte man schon vor fünfzig Jahren die These vom Nebenwiderspruch und sie wurde durch Feminist*innen als Irrglaube der Arbeiterbewegung entlarvt. Stets bemüht, diese Position zu verschleiern, wird im Aufruf immer wieder auf Verschränkung und Notwendigkeit beider Kämpfe verwiesen. Inhaltlich bleibt man dabei jedoch ziemlich substanzlos. Eher werden ein paar Buzzwords aneinandergereiht, durch die man sich selbst versichert, alles auf dem Schirm zu haben und in jeden sozialen Kampf involviert zu sein. Möglicherweise hat das argumentative Rumgeeiere an dieser Stelle den eigenen Verstand so vernebelt, dass man selbst nicht mehr erkennen konnte, dass man mal wieder einem orthodox marxistischen Irrglaube der Arbeiterbewegung auf den Leim gegangen ist.

Den Ursprung des 8. März in der sozialistischen Frauenbewegung in allen Ehren, bleibt dennoch unklar auf welche „historische Tradition“ sich bezogen wird, wenn sie schreiben:“Der Frauenkampftag hat einen internationalistischen und klassenbewussten Ausdruck verdient, denn nur so können wir seiner historischen Tradition gerecht werden.“ Das Wiederaufflammen feministischer Kämpfe und auch die Wiederentdeckung des 8. März verdanken wir wohl eher der zweiten Frauenbewegung, die keinen Bock mehr hatte die patriarchale Verblendung der ach so belesenen „Genossen“ in ihren K-Gruppen hinzunehmen, als der angeblichen historischen Traditon orthodoxer Marxisten, wie sie hier durch Rotes Erfurt und Konsorten inszeniert wird.

Dieser Eindruck verschärft sich zudem auch noch bei ihrem unzeitgemäßen Demo-Design. Welche FLINTA*s sollen sich mit diesem reinszenierten sowjetischen Propaganda-Plakat einer Bäuerin, die zum Gewehr greift, identifizieren? Im Kontext einer Demo „gegen Krieg“ erscheint dies auf mehreren Ebenen absurd. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass der ganze Bezug auf die Sowjetunion nicht nur durch das gewählte Sharepic, sondern auch durch die Proklamierung der „Hammer und Sichel“-Symbolik und ihrer ideologisch-theoretischen Vorbilder aus feministischer Perspektive mehr als fragwürdig ist. Wer sich ein bisschen mit der Historie zur Sowjetunion beschäftigt hat, weiß, dass dieses Regime tausende Menschen in Gulags qualvoll hat sterben lassen, basic Bürger*innen- und Menschenrechte verweigerte und eine „feministische“ Staatsräson mehr Schein als Sein war. Frauen und ihre Gleichstellung waren in erster Linie Propagandamittel. Sie wurden zwar in die Lohnarbeit eingegliedert, aber hatten daneben weiterhin vor allem in der Rolle als Ehefrauen und Mütter zu fungieren. Die Sowjetunion hatte ihren feministischen Dienst offensichtlich damit abgeleistet, dass Kollontai mal ein paar Monate Volkskomissarin war.

Welchen „Feminismus“ wollen uns diese Gruppen denn also hier verkaufen? Ihre symbolischen Referenzen, ihre argumentativen Widersprüche und ihre offensichtliche Unkenntnis des feministischen Debattenstandes liefern ziemlich stichhaltige Argumente dafür, dass auch ihr Feminismus mehr Schein als Sein ist und instrumentell vor allem dazu dient, uns ihre fragwürdige, historisch-hängengebliebene, autoritäre Ideologie ein bisschen schmackhafter zu machen.

Dass es ihnen nicht ganz so ehrlich um feministische Anliegen und die Verurteilung patriarchaler und sexueller Gewalt insgesamt geht, wird auch daran deutlich, wie selektiv diese thematisiert werden. So schreiben sie: „Sexualisierte Gewalt gehört in Palästina zum gängigen Repertoire der israelischen Besatzung“, schweigen aber zu dem grausamen und verstörenden Ausmaß sexueller Gewalt durch die Hamas und ihre Sympathisanten am 7. Oktober 2023. Dieser Tag stellte nicht nur das größte Massaker an jüdischen Menschen seit dem Holocaust dar, sondern die sexuelle Gewalt wurde dabei auch zum besonderen Instrument des Judenhasses. Die Verstümmelung weiblicher Körper, die Vergewaltigungen und Versklavungen von Frauen waren hier nicht nur bloßes Kriegsmittel, sondern der bestialische Ausdruck ihres eliminatorischen Antisemitismus. Wir wollen nicht leugnen, dass sexuelle und sexualisierte Gewalt auch durch die IDF in Gaza oder der Westbank stattfinden und verurteilen diese aufs Schärfste. Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt gehören in fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen zu den Kampfmitteln, so z.B. auch aktuell in der Ukraine durch russische Soldaten. Wenn man jedoch konsequent gegen diese patriarchalen Formen der Gewalt einstehen will, dann muss man diese auch grundsätzlich verurteilen, statt sexualisierte Gewalt nur selektiv dann argumentativ ins Feld zu führen, wenn es die eigenen ideologischen Überzeugungen untermauert.

Damit nicht genug ihrer „feministischen“ Inkonsequenz. Schaut man sich mal an, wem Rotes Erfurt so mit ihrem Instagram-Account folgen, dann sind da einige outgecallte Täterschützer-Gruppen dabei. Der Account @stoppt_taeter hat seit 2024 immense Ausmaße sexualisierter Gewalt und Täterschutzes in Gruppen wie Kommunistischer Aufbau und Föderation klassen- kämpferischer Organisationen öffentlich gemacht (Empfehlung dort mal vorbeizuschauen). Fast allen der outgecallten Gruppen folgt Rotes Erfurt noch immer auf Instagram. Auch wenn keine offiziellen Zusammen- arbeiten oder ähnliches bekannt sind, mutet das doch etwas fragwürdig aus feministischer Perspektive an – dem @stoppt_taeter-Account folgen sie hingegen nicht. Sogenannte „Rote Gruppen“ sind in der Vergangenheit schon vielfach durch Übergriffe, täterschützendes Verhalten und generell patriarchale Strukturen innerhalb ihrer Zusammen-hänge auffällig geworden. Distanzierungsbedürfnis, geschweige denn Stellung- nahme, sieht Rotes Erfurt in diesem Zusammenhang aber offensichtlich nicht für notwendig an. Natürlich sind sexualisierte Gewalt und patriarchale Strukturen innerhalb der gesamten Linken ein Problem – das ist ein Thema auf das wir als Gruppe z.B. schon mehrfach mit Redebeiträgen und Veranstaltungen hingewiesen haben. „Rote Gruppen“ sind jedoch aufgrund ihrer autoritären und kaderartigen Struktur, sowie ihrer oft gewaltverherrlichenden Ästhetik, besonders anziehend für entsprechende Männlichkeiten – dass es dann in eben diesen Strukturen zu einer Häufung oder besonders drastischem Ausmaß patriarchaler Strukturen und Gewalt kommt, ist keine Überraschung. (Zum Problem von autoritären Strukturen innerhalb roter Gruppen, schaut hier bei den Genoss*innen aus Bremen vorbei: Basisgruppe Antifa Bremen). Böse Zungen mögen uns jetzt vielleicht unterstellen, dass unsere Argumentation hier doch nach „Kontakt-Schuld“ klingt, doch darum geht es uns nicht. Uns geht es darum, auf das Fehlen einer konsistenten feministisch-solidarischen Haltung hinzuweisen. Öffentlich findet man von diesen Gruppen zumindest nichts dazu, dass sie sich in irgendeiner Form mit Patriarchalität im Allgemeinen oder in den eigenen Strukturen beschäftigen würden. Auch eine genauere Auseinandersetzung zum Zusammenhang von Kapitalismus und Patriarchat ist nirgendwo zu finden. Diese Vielzahl von „Kleinigkeiten“ erscheinen dann im Gesamtkontext doch nicht mehr so nichtig.

Um es abschließend auf den Punkt zu bringen: diese Veranstaltung und die daran beteiligten Gruppen können absolut keine konsequente feministische Position und Praxis aufweisen. Ihr „Feminismus“ ist nur Mittel zum Zweck. Sie bedienen sich feministischer Themen nach Belieben und wenn diese in die eigene ideologische Agenda passen. Um es knallhart zu sagen: Feministische Themen dienen ihnen als Menschenfänger. Wenn ihr für einen konsequenten Feminismus auf die Straße gehen wollt, bleibt dieser Veranstaltung und diesen Gruppen fern und kommt zur Demo am 8. März des Bündnisses und zur Take Back The Night Demo am Vorabend. Alerta Antisexista!

Feministische Grüße, Kritik & Intervention